Stiftung Operndorf Afrika

September 16, 2018 in Stiftung des Monats von As

„Die Kunst ist im besten Fall ein Organismus, der sich mit dem Leben verbindet.“

Christoph Schlingensief (1960-2010)

Der deutsche Film- und Theaterregisseur, Autor und Aktionskünstler gründete 2009 die Initiative Festspielhaus Afrika, am 8. Februar 2010 war die Grundsteinlegung für REMDOOGO, das erste Operndorf der Welt in Burkina Faso.

Mit Via Intolleranza II inszenierte Schlingensief mit Künstlern aus Europa und Burkina Faso das erste Stück materialisierte afrikanische Operndorf-Utopie, das nach Proben in Ouagadougou und Berlin in Brüssel, Hamburg, Wien und München (Foto) aufgeführt wurde.

Inzwischen ist der Ort zu einer Stätte der Kunst, der Bildung und des Internationalen Austausches geworden.

Stiftungszweck
Die Stiftung unterstützt das Internationale Kunstprojekt Operndorf Afrika.
Langfristig und mit Erhöhung des Stiftungskapitals soll die Stiftung Operndorf Afrika die laufenden Betriebskosten der Schule und der Administration in Burkina Faso gänzlich übernehmen.

Die gemeinnützige Stiftung wurde im Dezember 2012 dank der großzügigen Unterstützung von Friedrich Christian Flick gegründet werden. F.C. Flick stattete das Projekt mit einem Startkapital von 250.000 Euro aus, weitere 90.000 Euro wurden von der Festspielhaus Afrika gemeinnützige GmbH gespendet.
Das Projekt steht seit 2011 unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident a.D. Horst Köhler.
Geschäftsführende Gesellschafterin der Festspielhaus Afrika gGmbH ist Aino Laberenz, die Witwe von Christoph Schlingensief.
Foto: ©Marie Köhler

Christoph Schlingensief
Unzählige Inszenierungen, Kunstinstallationen, Aktionen und Ausstellungen machten den Künstler weltweit bekannt.
Er mischte sich über Jahrzehnte unbeirrt in den kulturellen und politischen Diskurs ein und führt in Bezugnahme auf verschiedene Künstler – u.a. Joseph Beuys – Oper, Theater, Film und Aktionen zusammen.
Mit seinen aktionistischen Projekten außerhalb des Theaters wirkte Schlingensief weit über den Kunstraum hinaus und erfuhr internationale sowohl künstlerische als auch politische Aufmerksamkeit.
Im Rahmen der Wiener Festwochen veranstaltete er im Jahr 2000 die Container-Aktion Bitte liebt Österreich.
Foto: ©Peter Hönnemann

Anlässlich der Bundestagswahl 1998 gründete er die Partei CHANCE 2000.
Foto: Quelle: Filmgalerie 451

Schlingensief  inszenierte Opern an verschiedenen Häusern.
Höhepunkte waren von 2004–2007 Wagners Parsifal in Bayreuth und 2007 Der Fliegende Holländer in der legendären Oper von Manaus.

Die Verschiebung seiner Bilder und Gedanken durch seine Krebserkrankung bearbeitete er offensiv in seiner Inszenierung Der Zwischenstand der Dinge am Maxim-Gorki-Theater (2008), seinem 2009 im Rahmen der Ruhrtriennale uraufgeführtem Fluxusoratorium Kirche der Angst vor dem Fremden in mir, der ReadyMade-Oper Mea Culpa am Wiener Burgtheater.

Schlingensiefs letzte Theaterinszenierung war die Koproduktion mit dem Züricher Neumarkttheater und dem Schauspielhaus Zürich Sterben lernen – Herr Andersen stirbt in 60 Minuten.

Seine Themen kreisten beständig um die Frage nach Gott, der Erlösung und dem Sinn aller Kunst:

»Wir werden keine Leute erlösen, weder hier in Europa noch in Burkina Faso. Wer an Erlösung glaubt, soll in eine Partei eintreten. Ich glaube, es ist mehr als überfällig, dass wir hingehen und den Reichtum Afrikas beschreiben! …“

 Das Operndorf
Das Operndorf Afrika war Schlingensiefs letzte künstlerische Arbeit, und er bezeichnete es selbst als ›sein wichtigstes Projekt‹.
Die Grundidee des Operndorfs beruht dementsprechend seit seiner Konzeption nicht nur auf einer Veränderung der Lebens- und Alltagswirklichkeit der Menschen vor Ort.
Das Operndorf Afrika wurde als kulturelle Begegnungs- und Experimentierstätte für KünstlerInnen aus Burkina Faso und anderen Ländern angelegt. Sie sind eingeladen, dort gemeinsam Inszenierungen zu erarbeiten, zu proben und aufzuführen – mit KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen ebenso wie mit Kindern und Laien. ©Marie Köhler

Neben dem Büro in Berlin hat das Projekt 18 Angestellte in Burkina Faso. Sechs LehrerInnen und ein Schuldirektor leben und arbeiten im Operndorf Afrika. Die Betriebseinheiten Schule und Krankenstation werden bereits durch die Regierung von Burkina Faso getragen.

Am 21.07.2018 wurde das Operndorf Afrika mit dem Karlheinz Böhm Preis der Stiftung Menschen für Menschen ausgezeichnet.
Den Preis nahm Aino Laberenz entgegen.

Aino Laberenz vom „Operndorf Afrika“ mit dem Karlheinz Böhm Preis 2018. V.l.n.r: Peter Renner, Dr. Martin Hintermayer, Christian Ude, Berhanu Negussie, Prof. Dr. h.c. Klaus-Dieter Lehmann, Dr. Sebastian Brandis, Till Nassif;
©obs/Die Stiftung Menschen für Menschen/@Slavica

»Das Operndorf ist ein Projekt, das Hoffnung weckt – Hoffnung darauf, dass es ein Verhältnis zwischen Europa und Afrika geben kann, welches auf Gegenseitigkeit und nicht auf Dominanz beruht.“

Schirmherr des Operndorf Afrika Bundespräsident a.D. Horst Köhler

Artist in Residenz-Programm
Das Artist-in-Residence-Programm im Operndorf Afrika ist eines der ersten Künstler-Residenz-Programme in Westafrika und wurde Ende 2015 im Operndorf Afrika etabliert.
Es lädt nationale und internationale KünstlerInnen ein, das Operndorf Afrika als Lebens- und Arbeitsraum zu nutzen.

Begleitet wird das Residenzprogramm in Burkina Faso von regelmäßig stattfindenden Events in Europa.
In diesen Veranstaltungsreihen soll aus dem Blickwinkel verschiedener Disziplinen ein kritischer Diskurs über die Möglichkeiten interkulturellen Austauschs geführt werden, verbunden mit dem Ziel, Visionen und Potenziale für das Operndorf Afrika zu entwickeln.
Foto: Tobias Dostal, Artist in Residence 2015

Jeannette Mohr hat während ihrer Residenz 2017 im Operndorf Afrika ihre Eindrücke gesammelt und einen ausführlichen Bericht über die Zeit in Burkina Faso geschrieben.

 

 

Das Künstlerpaar Thomas & Renée Rapedius ist seit einigen Wochen mit dem Kulturaustausch-
stipendium des Landes Berlin im Operndorf.
Auf dem Foto ist das provisorische Sonnendach zu sehen, welches sie aus den 168 Flaschen Trinkwasser gebaut haben, das sie in den letzten Wochen verbraucht haben.

Spenden
Vor einem Jahr begannen die Mitarbeiter im Dorf, französischsprachige Kinder- und Schulbücher zu sammeln, um die Schule in Zukunft durch eine Bibliothek zu ergänzen.

Inzwischen gibt sie, und so können Kinder und Jugendliche jetzt blättern, lesen und ausleihen. In Zukunft soll der Bestand um weitere Bücher auch aus afrikanischen Verlagen ergänzt werden. Dafür bittet die Stiftung um Unterstützung – der Anfang ist gemacht!

Dies ist nur ein Beispiel für den Einsatz eingehender finanzieller Unterstützung.

Für Projekte in den Bereichen Bildung, Kultur, Nachhaltigkeit und Umwelt und andere mehr sind Spenden ebenfalls willkommen.

»Ich fordere uns alle auf, unsere Vorstellungen von Kunst über Bord zu werfen
und in den Reichtum eines solchen Ortes zu investieren.
Mit der Schule fangen wir an. Sie soll das Zentrum sein. Was für eine Kunst, wenn uns Kinder
und Jugendliche, die einen Unterricht besuchen können, an ihrem Wissen
teilnehmen lassen!«

Christoph Schlingensief

Kontakt
Stiftung Operndorf Afrika
Fehrbelliner Str. 56
10119 Berlin
Tel: +49 (0) 30 400 459 42
buero@schlingensief.co

Quelle und Fotos (wenn nicht anders vermerkt)
www.operndorf-afrika.com
www. Schlingensief.com