Cajewitz-Stiftung

April 5, 2018 in Stiftung des Monats von As

Das neobarocke ehemalige Jüdische Waisenhaus ist ein imposanter Blickfang in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Pankow im Norden Berlins. Es zählt sowohl durch seine Geschichte als auch durch seine Architektur zu den bemerkenswerten Gebäuden in diesem Bezirk.
Durch jahrelangen Leerstand bereits stark verfallen, nahm sich 1999 die Cajewitz-Stiftung seiner an. Nach aufwendiger Sanierung konnte sie es 2001 als Kultur- und Begegnungsstätte wieder eröffnen.

Stiftungszweck
Das Schicksal alter Menschen und die geringe Aufmerksamkeit, die die Gesellschaft und die Politik dem Leben im Alter widmen, waren zentrale Themen für das Ehepaar Cajewitz. So bestimmten sie, dass nach ihrem Tod ihr Vermögen in eine Stiftung übergehen solle, um bedürftige alte Menschen zu unterstützen.

 

Die Gründer: Margarete und Dr. Walter Cajewitz
Walter Calewitz, Kaufmann in Hannover, gründete mit seiner Frau Margarete nach dem Zweiten Weltkrieg ein Bauunternehmen. Dies erwirtschaftete ein großes Immobilien­vermögen, welches das Unternehmer-Ehepaar zum Wiederaufbau der Hauptstadt Niedersachsens  einsetzte.

Im Jahr 1978, zwei Jahre nach ihrem Mann, verstarb Margarete Cajewitz. Sie verfügte die Gründung der Stiftung. Der gesamte Immobilien­bestand wurde auf diese übertragen – die Reinerlöse aus dem Immobilien­geschäft fließen seitdem in Projekte zur Unter­stützung von Senioren.

Ebenso wurde testamentarisch verfügt, dass 25 dem Ehepaar nahestehende Personen eine lebenslange Rente erhalten. Drei ebenfalls nahestehende Personen wurden in den Vorstand der Stiftung berufen, unter ihnen Prof. Dr. Dr. h. c. Peter-Alexis Albrecht. Der inzwischen emeritierte Professor für Kriminologie und Strafrecht an der Goethe Universität Frankfurt am Main ist vorwiegend für die Aktivitäten der Stiftung in Berlin-Pankow verantwortlich.

Foto: Dr. Peter-Alexis Albrecht, Prof. Dr. Helga Grebing, Prof. Dr. Jutta Limbach in einem der „Pankower Waisenhaus-Gespräche, 2013

Aktivitäten
Nachdem in den ersten Jahren die Förderung von Einzelprojekten im Vordergrund stand, wurde die Stiftung 1990 neu ausgerichtet.
Ihr Engagement in Berlin-Pankow begann mit dem Erwerb und der Sanierung des historischen Wohngebäudeensembles „Amalienpark” (Foto). Danach folgte die Errichtung des ersten von sechs SeniorenZentrenPankow, in denen neue experimentelle Wohnformen für ältere Menschen entwickelt werden.

Der Kauf und die komplette Sanierung des einst verfallenen Jüdischen Waisenhauses in Pankow markieren einen weiteren Meilenstein: Als Kultur- und Begegnungs­stätte übergibt die Cajewitz-Stiftung das Haus 2001 der Öffentlichkeit.

Das Jüdische Waisenhaus
Die ursprünglich im Jahr 1882 erbaute  Erziehungsanstalt für jüdische Waisenknaben wurde nach einem Brand 1912 neu errichtet.
Während der NS-Zeit beschlagnahmt, diente das Gebäude in der DDR als Botschaftsresidenz. Von 1990 bis zum Kauf durch die Cajewitz Stiftung stand es leer und verfiel zusehends.

Heute haben neben dem Verein der Förderer und Freunde des ehemaligen Jüdischen Waisenhauses auch verschiedene soziokulturelle Einrichtungen wie die Stadtteilbibliothek Pankow und die SchuleEins hier ihren Sitz. Das Jüdische Waisenhaus hat sich mittlerweile als Gedenkstätte jüdischen Lebens etabliert. Es ist als Ort für Veranstaltungen zum Thema religiöse Vielfalt und kulturelle Toleranz weit über den Stadtteil hinaus bekannt.

SeniorenZentrenPankow
Sie bilden inzwischen das Kernstück der Stiftungsaktivitäten. In diesem Wohnprojekt wird die Verpflichtung der Cajewitz-Stiftung, das Wohl älterer Menschen zu fördern, umfassend und ganzheitlich umgesetzt. Die sechs Häuser mit insgesamt 167 Mietwohnungen bieten ihren Bewohnern dabei nicht nur seniorengerechte Architektur und Barrierefreiheit. Das experimentelle Wohnkonzept schließt auch die Alltags- und Freizeitgestaltung mit ein.

Kontakt
Cajewitz-Stiftung
Büro Berlin
Wollankstraße 135
13187 Berlin Erziehungsanstalt für jüdische Waisenknaben

Tel. 030 47482176
Fax 030 47599172
kontakt@cajewitz-stiftung.de

Quelle und Fotos
Cajewitz-Stiftung

Verein der Förderer und Freunde
des ehemaligen Jüdischen Waisenhauses in Pankow
(mehr Infos hier)